Wie muss ein moderner Profireiter strukturiert sein?

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Wie muss ein moderner Profireiter strukturiert sein?

Die Komplexität und Vielschichtigkeit der modernen Welt hat seit geraumer Zeit den Reitsport erreicht. "Gefühl im Hintern" reicht für einen Profireiter längst nicht mehr aus, um sportlich und wirtschaftlich auf Dauer zu bestehen.

Der moderne Profireiter - wie er/sie strukturiert sein muesste"Teufelsreiter" und Volkshelden - das war einmal. Heutzutage wird Ehrgeiz und ein unbedingter Siegeswille medial allzu schnell zu einer vermeintlichen Rücksichtslosigkeit degradiert, eine Tatsache, die jederzeit existenzgefährdend werden kann. Mäzene sind auch rar geworden, nicht dass hierzulande kein Geld für hochkarätige Pferde vorhanden wäre - es wird jedoch in anderen Bereichen eingesetzt oder investiert. Treue Pferdebesitzer werden auch immer seltener, wenn sehr gute Verkaufserlöse winken, vergisst manch Pferdebesitzer seinen einst geleisteten Treueschwur gegenüber dem Reiter und verkauft - zum Leidwesen des Profireiters, der das Pferd ab nun an schmerzlich vermisst.
Dies sind nur einige Beispiele für Unwegsamkeiten, die die Karriere eines Profireiters negativ beeinflussen können. Kann und muss ein Profireiter derartige Vorfälle voraussehen und sogar im Vorfeld vermeiden? Wie müsste überhaupt ein Profireiter heutzutage strukturiert sein, um über lange Jahre, sportliche und finanzielle Erfolge zu verbuchen?

Herausragendes reiterliches Können und Pferdeverstand
Ein Profireiter, der - im Vergleich zur Konkurrenz - nur "mäßig" reiten kann, wird in der heutigen Zeit meist scheitern. Sicherlich wird er einige respektable Erfolge erzielen können, doch um dauerhaft seinen Lebensunterhalt mit der Reiterei bestreiten zu können, sollte man über aussergewöhnliche Fähigkeit auf dem Pferderücken verfügen. Nur derjenige, der dies erfüllt, kann mehrere Typen Pferd bedienen und jederzeit, verschiedene Vierbeiner zu nachhaltigen Leistungen motivieren und folglich zu Erfolgen führen.
Hierbei muss deutlich zwischen reiterlichem Können und (nicht immer vorhandenem) Pferdeverstand unterschieden werden. Nicht jeder begnadete Profireiter verfügt über Pferdeverstand - leider, denn dieser ist für nachhaltige Erfolge unabkömmlich. Jemand, der "nur" reiten kann (wenn auch aussergewönlich gut), jedoch nicht oder nur unzureichend über Pferdeverstand verfügt, wird kaum immer und immer wieder Nachwuchstalente beurteilen, entdecken und fördern können. Folglich wird er sich auch nicht über Jahre im gehobenen Reitsport halten können - ausser er kann es sich leisten, ständig fertig ausgebildete und erfahrene Championatspferde zu kaufen. Dann ist er aber kein Profi mehr, denn hierdurch wäre er offensichtlich nicht in der Lage, mit seinem Beruf Erlöse und Gewinne zu erwirtschaften, sondern lediglich dazu befähigt, das Kapital Dritter auszugeben. Und DAS kann jeder Amateur.

Management-Skills und strategisches Gefühl
Ein erfolgreicher Profireiter muss stets, möglichst alle Faktoren seines Umfeldes im Blick haben und diese weitsichtig koordinieren und organisieren können. Die Zeiten, in denen Profireiter "nur" reiten mussten sind längst vorbei, der heutige Profi muss gleichemaßen seine sportlichen Einsätze koordinieren, seine Mitarbeiter im Betrieb motivieren, seine Betriebszahlen ständig im Blick haben, das Wohlempfinden und Leistungsfähigkeit seiner Pferde überwachen und steigern und mit Sponsoren, Mäzenen, oder verschiedenartige Pferdebesitzer umgehen können. Er muss managen können, denn im professionellen Reitsport kann man nicht mehr alles selber machen. Man muss jedoch auch kleinste Details im Blick haben und entsprechende Aufgaben delegieren und Lösungen etwaiger Probleme überwachen können.
Darüber hinaus, muss der moderne Profireiter strategisch denken und handeln können. Macht es Sinn ein bestimmtes Pferd länger zu behalten? Oder soll eine längere sportliche Durststrecke zugunsten satter Verkaufserlöse hingenommen werden? Macht Unterrichtserteilung langfristig Sinn, zudem man irgendwann älter wird, aber den Lebensunterhalt weiter bestritten werden muss? Fragen über Fragen, die ein jeder Profireiter für sich beantworten und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen umsetzen muss.

Achtung vor der Kreatur und soziale Kompetenzen
Profireiter, die ein lebenlang ihren Lebensunterhalt mit der Reiterei bestreiten wollen, sind gut beraten, nicht den schnellen, sondern den nachhaltigen Erfolg anzustreben - denn nur der, der auch einmal verzichten kann, wird nachträglich für seine Geduld und Entbehrungen belohnt. Und dies beinhaltet Respekt vor der Kreatur Pferd, auch wenn die Vierbeiner in einem Profistall zu bedeutenden Wirtschaftsgütern werden. Oder gerade deswegen - denn wer kann es sich schon erlauben, Wirtschaftsgüter mutwillig oder fahrlässig zu zerstören? Jenseits jeglicher Gefühlsduselei und Heidi-Mentalität gilt es festzustellen, dass - über wirtschaftliche Überlegungen hinaus - der den Pferden entgegegebrachte Respekt und Geduld, sich in den allermeisten Fällen, in hervorragenden und nachhaltigen sportlichen Leistungen niederschlägt. Ergo: Fairness ist durchaus lohnend, auch für den eigenen Geldbeutel.
Chefs und Mitarbeiter ohne sozialen Kompetenzen und reichlich gesegnet mit zwischenmenschlichen Defiziten, werden in der heutigen Zeit so dringend benötigt, wie ein Kropf am Hals. Nicht nur die vierbeinigen Mitarbeiter in einem Profistall wollen motiviert und gepflegt werden, es gilt: Die Mitarbeiter sind in erster Linie Menschen, kaum noch ein Profireiter sollte sich im zwischenmenschlichen Bereich, Defizite erlauben. Die Realität untermauert diese Forderung immer wieder, in über Jahre erfolgreichen Ställen, herrscht kaum oder nur wenig Fluktuation. Der Profireiter, der aus seinem Cholerikerdasein eine Tugend macht, wird damit kläglich scheitern.

Besondere Kommunikationsfähigkeiten
In Zeiten, in denen die mediale Präsenz und der darüber geführte Dialog, über Erfolg und Karriereweg entscheiden, sollten Profireiter über entsprechende Kommunikationsfähigkeiten verfügen. Menschen, die sich entsprechend mitteilen können, werden es immer und überall leichter haben. Es gilt, die Inhalte (die Reiterei, bzw. die Pferde) entsprechend zu verpacken und diese Inhalte, Medien und pferdebegeisterten Zuschauern, sachgerecht und verständlich zu kommunizieren.
Fragen müssen beantwortet werden, auch wenn sie in machen Fällen schmerzen. Nichts ist derart interprätationsfähig und fremdgesteuert, wie unbeantwortete Fragen - diese Erfahrungen sind beispielsweise für die Atomindustrie nicht neu, für Profireiter hingegen schon. Wer mittels Präsenz in Medien und Öffentlichkeit wirtschaftlich erfolgreich agieren will, muss begreifen, dass diese auch auf ihre Fragen, Antworten erwarten.
Doch über das öffentliche Image hinaus, gilt: Ein Unsympath wird nie die Herzen der Menschen erobern und folglich auch kaum die Unterstützung etwaiger Sponsoren oder Mäzene erhalten.

Es gibt unendlich viele Faktoren, die schlussendlich einen Top-Profireiter ausmachen, dazu gehört sicherlich auch Glück - wer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war, der/die hat es für seine Karriere sicherlich einfacher gehabt. Doch ist es die gelungene Mischung zwischen Professionalität und Menschlichkeit, zwischen Verständnis und Konsequenz und zwischen Nachgiebigkeit und Härte, die einen idealen Profireiter ausmachen. Aber diesen gibt es eh nicht, denn wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.


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