Wie Pferde unter der Finanzkrise in Irland leiden

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Wie Pferde unter der Finanzkrise in Irland leiden

Irland stand kurz vor dem Staatsbankrott - bis man sich entschloss, eine 85 Millionen Euro schwere Finanzspritze von der EU und IWF in Anspruch zu nehmen. Doch viele Arbeitslose, von Armut betroffene Iren und Pferde, werden kaum davon profitieren.

Wie Pferde in Irland unter der Finanzkrise leiden

Diese traumhaft schöne Insel, die sich in den letzten 30 Jahren von einem der ärmsten und vermeintlich rückständigsten Länder in Europa, zu einer begehrten Spielwiese für Finanzjongleure und Spekulanten entwickelt hat, hat in diesen Tagen nichts mehr zu lachen. Vorbei die Zeiten, in denen das Geld in Strömen floss, vorbei der jahrelange Überfluss und das Jobwunder.
Mit Unternehmensteuersätzen von 12,5 Prozent und mit einem Anteil an Steuern und Abgaben für Angestellte in Höhe von nur 26,5 Prozent, lockte Irland über Jahre internationale Unternehmen und deren Ableger auf die Grüne Insel. Und sie kamen alle - alle, die sich für die niedrigsten Steuern und Englischsprachigkeit in Europa interessierten. Und sie brachten Geld mit, viel Geld - glaubt man den Angaben des US-Finanzministeriums, so investierten allein US-Unternehmen in Irland ca. 124 Milliarden Euro, mehr als in Brasilien, Russland und China zusammen.

Und diese Investitionen fruchteten: Die Iren hatten über Jahre sichere, üppig bezahlte Jobs, die das inländische Konsumklima freilich befeuerten. Und die Menschen über die Zeit zu dem Irrglauben verleiteten, es ginge ewig so weiter.
Wer in Irland nicht mehr ganz arm war, der schaffte sich Pferde an. Das war "in", damit konnte man zeigen, dass man wer war. Nicht dass es in Irland vor diesem Wirtschaftsboom keine Pferde gegeben hätte; die irische Pferdezucht hat eine lange Tradition und lieferte über Jahre zahlreiche Spitzenpferde für den internationalen Vielseitigkeits- und Springsport. Doch handelte es sich dabei in der Mehrzahl um eine bäuerliche Zucht, zwar bescheiden, aber das Futter der Pferde war gesichert.

Mit dem Aufkommen der neureichen Yuppies und der Ansiedlung luxuriöser Vollblutgestüte im Besitz arabischer Scheichs, erhielten die "industrialisierte" Denke und das Spekulantentum Einzug in der ehemals bodenständigen und eher konservativ ausgerichteten Irischen Pferdewelt. Man sprach plötzlich nicht mehr über Pferde, sondern über Investitionsgüter, ROI (Return on investment) und über spektakuläre Verkäufe.
Und Jeder, der es besser wusste, musste dabei sein. Den Trend nicht verpassen. Reich und berühmt werden und zwar schnell. Der irische Staat heizte dieses hochspekulative Klima noch zusätzlich mit üppigen Subventionen an, der Keim des Verderbens war dadurch reichlich ausgesät.

Und er sollte aufgehen: Irland rutschte als erstes EU-Land im Jahr 2008 in eine bis dahin kaum für möglich gehaltene Rezession, die Wirtschaftskrise und das Platzen der US-Immobilienblase, gaben dem vermeintlichen EU-Wunderkind Irland den letzten Rest. Die durch diese Wirtschafts- und Finanzkrise bedingte Entlassungswelle erwischte zahlreiche Besserverdiener, darunter nicht wenige Pferdebesitzer und -züchter.
Und plötzlich waren die zahlreich vorhandenen Pferde übrig - kein Geld mehr für die Tierarztrechnung, kein Geld mehr für Futter. Die Pferde entwickelten sich rasant vom Luxustier und Statussymbol zum störenden und existenzgefährdenden Ballast für ihre ohnehin schon verzweifelten Besitzer.

Und so geistern am Rand verschiedener Gemeinden und Städten zahlreiche aufgegebene Pferde herum, ihre Zahl geht laut Angaben irischer Tierschutzorganisationen in den Zehntausenden. Problematischerweise, können die Tierschutzverbände der kleinen Insel unmöglich die Unterhaltung (Fütterung, Pflege, tierärztliche Versorgung, etc.) mittel- und langfristig übernehmen, die zur Verfügung stehenden Mittel, reichten für eine "derartige Katastrophe" kaum aus, so der Irische Tierschutzverband. Doch Besserung ist nicht in Sicht, denn Menschen, die um ihre eigene wirtschaftliche Zukunft bangen, können kaum an die Übernahme von Pflegepatenschaften denken. Geht es um nackte Existenzängste, so haben Menschen anderes im Sinn als Pferde. Sie denken auch hoffentlich darüber nach, dass Hochmut, schnelllebige Konsumdenke und der Glaube an neoliberalen Parolen selbsternannter "Führungseliten" und krimineller Finanzmanager, den Magen kaum füllen. Weder beim Mensch, noch beim Pferd. (Foto: Connemara-Ponys in Irland)


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