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Kentucky 2010 - Der Belgier Philippe Le Jeune sicherte sich bei den Weltreiterspielen im US-amerikanischen Kentucky im Finale mit Pferdewechsel überraschend den WM-Titel. Damit löst der Springreiter seinen Landsmann Jos Lansink (Gold 2006 in Aachen) als Weltmeister ab.
Der 50-Jährige setzte sich in Kentucky mit vier fehlerfreien Ritten gegen Abdullah al Sharbatly aus Saudi Arabien und den Kanadier Eric Lamaze durch und folgt damit seinem Landsmann Jos Lansink, der im Jahr 2006, mit seinem holsteiner Hengst Cumano, Weltmeister geworden war. Mit dem undankbaren vierten Platz im Finale der besten Vier, musste sich der Brasilianer Rodrigo Pessoa, Weltmeister des Jahres 1998, begnügen. Im WM-Finale mit Pferdewechsel musste jeder der vier Reiter auch die Pferde seiner Konkurrenten durch den Parcours steuern. Am besten meisterte diese Aufgabe Philippe Le Jeune, der nicht nur sein eigenes Pferd Vigo D'Arsouilles (v. Nabab de Reve), sondern auch die anderen drei Pferde ohne Springfehler ins Ziel brachte. Abdullah al Sharbatly kam - für die Fachwelt völlig unerwartet - als Zweitbester auf acht Strafpunkte, die er sich ausgerechnet mit seinem eigenen Pferd Seldana di Campalto (KWPN, v. Emilion x Alme Star x Grannus) einfing. Der vor dem Finale führende amtierende Olympiasieger von 2008, Eric Lamaze, handelte sich vier Strafpunkte mit Seldana di Campalto und einen weiteren mit Pessoas Pferd HH Rebozo ein, mit dem er zusätzlich einen weiteren Strafpunkt für das Überschreiten der erlaubten Zeit hinnehmen musste. Dennoch reichte es für den Kanadier zu Bronze, da sich Rodrigo Pessoa nicht nur mit seinem eigenen Pferd HH Rebozo einen Abwurf erlaubte. Zwei weitere Hindernisfehler kamen bei seinem letzten Ritt mit dem Pferd des Siegers - Vigo D'Arsouilles - hinzu. Bestes Pferd im Finale der Weltreiterspiele in Kentucky 2010 war der KWPN-Hengst Hickstead von Eric Lamaze, der alle vier Finalteilnehmer fehlerfrei ins Ziel brachte.

Während Philippe Le Jeune seine Goldritte absolvierte, waren die deutschen Springreiter um Bundestrainer Otto Becker nur Zuschauer. Carsten-Otto Nagel hatte als Fünfter das Finale der besten Vier unglücklich verpasst. Dennoch "verdammte" ihn das bestehende Reglement dazu, sich so vorzubereiten, als ob er mitreiten würde. Hintergrund: Als Ersatzmann musste Nagel sich bis zum Start des Finales in Lexington bereithalten und im Falle des Ausfalls eines der für das Finale qualifizierten Paare, schnell einspringen. Da aber die vier qualifizierten Reiter vollständig antraten, entwickelte sich die Warterei für den Mann aus Wedel zur bitteren Quälerei: "Wenn ich es mir hätte aussuchen können, hätte ich das nicht gemacht", so Nagel, der verständlicherweise lieber aktiv ins Geschehen um Gold eingegriffen hätte. Nachdem Le Jeune Gold gewonnen hatte, überkamen den erfahrenen Belgier die Glücksgefühle, er umarmte überschwänglich seinen Hengst Vigo D'Arsouilles und seine Betreuer und Helfer, denen er einen großen Teil seines Erfolges zu verdanken hat. Der Weltmeister-Titel ist für Philippe Le jeune im Grunde genommen die späte Belohnung einer phantastischen Karriere, während derer, der 50-Jährige sich immer wieder wirtschaftlichen Zwängen hatte beugen müssen: Le Jeune hatte in den letzten zwanzig Jahren zahlreiche Pferde bis zur Weltspitze gefördert, darunter Nistria (die später an Lars Nieberg verkauft worden war), Shogoun (v. Night and Day x Garitchou), der jedoch im Jahr 1994 die WM in La Haye unter dem Franzosen Eric Navet bestritt, oder die KWPN-Stute Maike (v. Libero H, x Lucky Boy xx), die in den Stall von Jessica Kürten wechselte. Der Titelgewinn von Kentucky 2010 ist für den Belgier weitaus bedeutender als allgemeinhin angenommen, Philippe Le Jeune hatte nämlich auch den Vater seines Goldpferdes Vigo D'Arsouilles, den Hengst Nabab de Reve (v. Quidam de Revel x Artichaut) zur Bronzemedaille mit der belgischen Mannschaft bei den Weltreiterspielen 2002 in Jerez geführt. Nabab hatte sich nach seiner Sportkarriere zu einem Springpferdevererber von Weltrang entwickelt, er ist unter anderem auch Vater der international erfolgreichen Weltklassepferdes Valentina Van't Heike unter Jos Lansink. Die ehemals dominierende deutsche Pferdezucht ging allerdings im Finale von Kentucky komplett leer aus, KWPN- und BWP-Pferde waren hier unter sich. (Fotos: Andreas Heine) |