|
Die Mannschaft der Niederlande wurde bei der WM in Kentucky souverän Dressur-Weltmeister. Silber ging an das Team aus Großbritannien, die deutschen Dressurreiter holten erstmals seit 1970 kein Gold sondern nur Bronze.
Wie im Vorfeld der Weltreiterspiele bereits erwartet, überrollte der "Oranje-Zug" die gesamte Dressurkonkurrenz - das Team der Niederlande wurde in Kentucky verdient Dressur-Weltmeister 2010. Dabei mussten die Niederlande sogar auf die Wertung einer ihrer stärksten Paare verzichten, denn Adelinde Cornelissen war vom Teamwettbewerb ausgeschlossen worden, nachdem ein Richter blutiger Schaum am Maul ihres Pferdes Parzival (v. Jazz x Ulft) festgestellt hatte. Die Aufregung hierüber legte sich jedoch recht schnell, da festgestellt wurde, dass der blutige Schaum entstanden war, weil Parzival sich unglücklich auf die Zunge gebissen hatte. Der holländische Cheftrainer Sjef Janssen versuchte dabei - wohlwissend um die Gesamtqualität seiner Mannschaft - diese Entscheidung des Richtergremiums mit Fassung zu tragen: "Das ist eine Super-Enttäuschung. Adelinde war so gut drauf...".
Mit der Disqulifikation von Adelinde Cornelissen für den Mannschaftswettbewerb, keimte bei den Deutschen noch ein Fünkchen Hoffnung auf, das Team um Bundestrainer Schmezer, lag bis dahin aussichtsreich auf dem zweiten Platz. Doch der Auftritt des schier unbesiegbaren Moorlands Totilas unter Edward Gal stand noch aus. Und "Dressur-Cyborg" Totilas tat das, was alle von ihm erwartet hatten: Mit 84,043 erreichte der dunkle Monumentalhengst und hochfrequentierte Deckhengst zwar keine neue persönliche Bestmarkte, setzte sich damit jedoch souverän - wenn auch nicht so weit entfernt von der Konkurrenz wie sonst - an die Spitze des Einzelwertung und verhalf der niederländischen Mannschaft zu einem Gesamtergebnis von 229,75 Punkten und damit zur Goldmedaille in der Dressur. Deutschland musste sogar um Bronze bangen Mit einer jungen Mannschaft und - gemessen an den Spitzenpferden der Konkurrenz - international kaum herausragenden Pferden, musste das deutsche Team zum ersten Mal seit 1970 auf eine Goldmdaille verzichten. Durch die phantastische Vorstellung der in Deutschland geborenen Britin Laura Bechtolsheimer, der ihre nahezu perfekte Vorstellung mit Mistral Hojris (Dänisches Warmblut, v. Michellino x Ibsen), für die die Reiterin sogar 82,511 % bekam, verdrängte das Team von der Insel die deutsche Equipe vom zweiten Rang. Da die Mannschaft der USA vor dem letzten Ritt eines amerikanischen Vertreters sogar noch in Schlagweite zu den Deutschen lag, musste unsere Mannschaft bis zum Schluss sogar noch um Bronze bangen. Doch der für die USA als letzter Reiter startende Steffen Peters - der ebenfalls aus Deutschland stammt - erreichte mit seinem Ritt "nur" 78,596 % (er hätte mindestens 81 % gebraucht, um für die USA Bronze zu holen) und die deutsche Dressur-Equipe konnte schlussendlich die Bronzemedaille feiern. Viel Zeit zum Feiern bleibt den deutschen Dressurreitern/Dressurreiterinnen allerdings nicht, denn bereits am heutigen Mittwoch steht die nächste Entscheidung im Grand-Prix-Special an. Anabel Balkenhol startet als Fünfte um 10.44 Uhr, Christoph Koschel folgt als 22ter um 15.34 Uhr. Matthias-Alexander Rath muss direkt im Anschluss um 15.44 Uhr ins Viereck. Isabell Werth folgt als 27te Starterin um 16.34 Uhr (Zeitangaben jeweils Ortszeit Lexington / Kentucky). Die Vorstellung des Deutschen Dressurteams Isabell Werth hatte mit Warum nicht FRH mit einer starken Leistung mehr als überzeugt. Die Schlussreiterin der deutschen Mannschaft reihte sich mit 75,404 Prozent auf Platz vier im Grand-Prix ein. "Das Viereck ist nicht ganz einfach und Hannes neigt ja schon mal dazu, ein bisschen zu gucken. Heute war er aber sehr konzentriert," so Werth. "Allerdings haben wir uns auch ein paar Kleinigkeiten erlaubt, die mich ärgern. So fehlte bei den Zick-Zack-Traversalen die Feinabstimmung,", so das Gesamtfazit der Rheinbergerin. Der 36-jährige WM-Debütant Christoph Koschel und sein elfjähriger Finnischer Donnerhall-Sohn Donnperignon brachten Deutschland mit 72,638 Prozent auf Medaillenkurs. Lediglich bei der ersten Piaffe leistete sich das Paar einen Fehler, der einige Punkte kostete. Im 65-köpfigen Starterfeld belegte das Paar mit dieser Wertung den achten Platz. Matthias-Alexander Rath lieferte mit seinem 15-jährigen Oldenburger-Wallach Sterntaler-Unicef eine überzeugende Vorstellung ab und wurde dafür mit 72,553 Prozent und einem neunten Platz in der Einzelwertung belohnt: "Mal abgesehen von dieser dämlichen letzten Lektion, der Piaffe, war Sterntaler sehr schön zu reiten. Mein Pferd hat sich bereits in der letzten Woche im Training toll präsentiert, so dass ich mit einem guten Gefühl in die Prüfung gegangen bin", reesümierte Rath seinen Ritt für der Mannschaftswertung. Die zweite WM-Debütantin im deutschen Team - Anabel Balkenhol - und ihr Hannoveraner-Wallach Dablino erhielten 67,702 Prozent und belegten damit am Ende Platz 30 im Grand-Prix. Vor allem Schwächen im Schritt kosteten das Paar eine bessere Wertung: "Dablino ist noch nicht ganz so routiniert wie andere Pferde. Er kam mit der Atmosphäre nicht so gut zurecht", lautete das Fazit von Anabel Balkenhol nach der Prüfung und fügte himzu: "Mein Pferd war sehr angespannt und glich einem Feuerstuhl, so dass ich ihn irgendwie durch die Prüfung steuern musste." Mit ihrer Platzierung im Grand-Prix konnte sich Anabel Balkenhol ganz knapp für die Teilnahme am heutigen Grand-Prix-Special qualifizieren. Aktuell: Edward Gal ist mit Totilas Weltmeister 2010 - Deutsche Dressurreiter ohne Einzelmedaille |