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In diesen Tagen kämpfen rund 1.000 Pferdesportler aus aller Welt bei der WM in Kentucky um Medaillen und Ehre. Parallel dazu, besteht ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Rassen und Verbänden um die besten Zuchtprodukte. Wie steht es um die Trakehner?
In den Starterlisten der klassischen olympischen Disziplinen (Dressur, Springen, Vielseitigkeit) finden sich bei der WM in Kentucky 2010 bedauerlicherweise relativ wenig reine Trakehner Pferde, über die Gründe liesse sich problemlos wochenlang diskutieren. Wohlwollende Liebhaber dieser Rasse meinen, die relativ kleine Gesamtpopulation und die Tatsache, dass viele Reiter - in der heutigen Zeit - mit der Art und Eigenheiten dieser Pferde nicht mehr zurecht kämen, sei der wahre Grund für die Abwesenheit der Trakehner Pferde auf den Medaillentreppchen bedeutender Championate. Die erklärten Gegner dieser Rasse behaupten hingegen, Trakehner seien von Natur aus bestenfalls nur schön, von Leistungsfähigkeit keine Spur. Da es wenig Sinn macht, in diese sowohl schablonenhaft als auch emotional verlaufende, ewige Diskussion einzugreifen, oder gar nüchterne Argumente einzuwerfen, widmen wir uns lieber den WM-Teilnehmern, die Trakehner Blut in ihren Adern führen.
Dressur Allen voran, wäre hier der grossartige Gribaldi zu nennen, Vater des (bisher) zweifachen Weltmeisters (Mannschafts- und Einzeltitel im Grand Prix Special) Totilas unter Edward Gal. Der im Februar dieses Jahres verstorbene Trakehner Siegerhengst Gribaldi (v. Kostolany x Ibikus) zeichnet jedoch auch als Vater zweier Reservepferde der niederländischen Equipe für diese WM in Kentucky verantwortlich: Painted Black (v. Gribaldi x Ferro KWPN) und Sister de Jeu (v. Gribaldi x Amor KWPN). Alle drei erwähnten Nachkommen des Gribaldi haben allerdings auch eine andere Gemeinsamkeit: Ihre Mutterlinie ist weitestgehend von klassischen Warmbluthengsten geprägt - sie selbst sind also die gelungene Mischung zwischen Trakehner Blut und Warmblütern oder sonstigen Rassen. Das gleiche Bild ergibt sich bei der eingehenden Betrachtung des Pferdes der Silbermedaillengewinnerin im Grand Prix Special, Laura Bechtolsheimer: Ihr Pferd Mistral Hojris ist ein Dänischer Warmblüter (v. Michellino x Ibsen) und somit, über seinen Vater Michellino, Enkel des Trakehner Elite-Hengstes Michelangelo (v. Pasteur xx - Matador). Michelangelo taucht ein zweites Mal prominent auf, nämlich als Grossvater mütterlicherseits des WM-Pferdes Scandic (KWPN, v. Solos Carex x Amiral x Michelangelo). Der 2008 verstorbene Spitzenvererber und Vater von ca. 15 gekörten Söhnen war selbst erfolgreich in S-Dressuren und hat - bei einer relativ geringen Nachkommensanzahl im Sport - über zehn direkte Nachkommen produziert, die in S-Dressuren und höher erfolgreich waren. Laura Bechtolsheimers Teamkollegin, die Britin Fiona Bigwood, reitet ebenfalls einen Hannoveraner (Wie Atlantico - v. Wie Weltmeyer x Rondo), dessen mütterlicher Stamm mit Rondo und Gelria (beide im Hannoveraner Einzugsgebiet gedeckt) stark von Trakehner Blut geprägt ist. Vielseitigkeit Waren vor Jahren die Starterlisten internationaler Events mit Trakehnern durchsetzt, so muss man die reinen Trakehner Pferde in Kentucky lange suchen: In der Vielseitigkeit sitzt die Britin Nicola Wilson im Sattel von Opposition Buzz. Der Wallach, der bereits bei den Olympischen Spielen 2008 und den Europameisterschaften in Windsor 2009 am Start war, stammt ab von Fleetwater Opposition (v. Muschamp Danube x Oplot). Dieser Trakehner zeichnet auch für Metisse de Lalou verantwortlich, die mit Lionel Guyon die französischen Farben in Kentucky vertritt. Der Pole Lukas Kasmierczak wird mit dem Trakehner Ostler v. Juror xx - Jaskier in die Vielseitigkeit starten. Vor wenigen Wochen wurden die Beiden polnische Meister. Der sportliche Partner v. Piggy French (GBR) ist der braune Wallach Jakata - sein Vater ist Olympiasieger Abdullah. Auf der britischen Reserveliste steht außerdem William Fox-Pitts Seacookie TSF v. Helikon xx, der erst kürzlich Zweiter in Burghley wurde. Springen Seit Abdullah, Almox Prints und Holger Hetzels Waitaki, schweigen weitestgehend die "Trakehner Geigen" im internationalen Springsport. So wundert es auch nicht, dass in Kentucky, Trakehner Blut so häufig in den Springkonkurrenzen zu finden ist, wie Reiner Calmunds Auftritte am Hochseil. Doch wer beharrlich sucht, findet auch und so bleibt festzustellen, dass in Lexington immerhin der braune Aramis (WLKP, v. Elf x Kerman) die Trakehner Farben - zumindest zur Hälfte - im Springparcours vertritt, seine Mutter ist nämlich die Trakehner-Stute Aneksja (v. Kerman). Der Reiter von Aramis, Jamal Rahimov, vertritt als Einzelreiter seine Heimat Aserbaidschan. Nicht unbedingt eine rekordverdächtige Trakehner Dominanz, aber immerhin besser als Reservepferd für die Elefenbeinküste. Para-Equestrians Hier findet man in den Pedigrees der vierbeinigen Starter Trakehner Blut in Hülle und Fülle - mit besten Grüßen an den Vertretern der unsinnigen Theorie, Trakehner seien alle "bekloppt". Die dänische Dressurreiterin Annika Lykke Dalskov ist durch einen Unfall gehandicapt und startet mit dem gekörten Trakehner Hengst Preußen-Wind bei den Para-Equestrian Games. Hengsthalter Kaj Olesen hat den Gribaldi-Sohn bis zur Klasse S ausbilden lassen und nun Annika Lykke Dalskov, dänische und nordische Meisterin 2010, zur Verfügung gestellt. Die 32-jährige Anne Cecilie Ore lebt in Bergheim, hat aber einen norwegischen Pass. Seit ihrem 14. Lebensjahr ist sie vollständig erblindet. Ihrer Liebe zum Pferdesport tat dies keinen Abbruch. Mit dem zehnjährigen Trakehner Wallach Hockey's Son v. Hockey hat sie sich für die WEG qualifiziert, als Reservepferd steht ihr "im Falle eines Falles" der 17-jährige Trakehner Goldap v. Kennedy aus selbem Züchterhaus zur Verfügung. Ihr Heimatland Australien vertritt Nicole Kullen bei den Para-Equestrian Games in Kentucky 2010. Ihr Partner unter dem Sattel ist Nikshar Nomination, dessen Trakehner Vater Balzflug in den Niederlanden zu den Leistungsvererbern zählt. |