Spinale Ataxie beim Pferd - Schwierige Diagnose

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Spinale Ataxie beim Pferd - Schwierige Diagnose

Entgegen hergebrachter Meinung, ist eine spinale Ataxie beim Pferd, gar nicht einfach zu diagnostizieren. Im Rahmen eines internationalen Kongresses im indischen Hyderabad, empfahl eine schottische Tierärztin, sich auf elementare Regeln der Diagnostik zu beziehen.

Spinale Ataxie beim Pferd - Schwierige DiagnosePferdebesitzer, Zuchtverantwortliche und sonstige medizinische Laien, treffen oftmals schnelle aber fachlich vollkommen absurde Urteile: Nicht jedes Pferd, das sich vermeintlich unkoordiniert oder "wackelig" bewegt, leidet an spinaler Ataxie. Die aktuellen Diskussionen um einen Hengst, der im Rahmen der Westfälichen Hauptkörung 2011, für viele aus dem Publikum, "ataktische Erscheinungen" offenbarte, zeigen eindrucksvoll das Dilemma: Während erfahrene Tierärzte, sich mit der endgültigen Diagnose "Spinale Ataxie" schwer tun, meinen veterinärmedizinische Laien, mit einem Blick, diese schwerwiegende Diagnose stellen zu können. Mit oftmals verheerenden Ergebnissen für die betroffenen Pferde und ihre Besitzer.

In Kenntnis dieser komplexen Thematik, appelierte neulich die Schottin Caroline Hahn - Fachtierärztin an der Royal School of Veterinary Studies der Universität Edinburgh - an das Auditorium des 12-ten Weltkongresses des WEVA (World Equine Veterinary Association) in Hyderabad (Indien), bei der Diagnose dieser Form der equinen Ataxie, sich auf die elementaren Regeln der Diagnostik zurückzubesinnen und nicht diesbezüglich gefühls- oder gar instinktbasiert zu handeln.
Hahn fasste in diesem Zusammenhang die wichtigsten Symtome und deren Vorkommen im Zusammenhang mit der spinalen Ataxie auf: Der Begriff Ataxie stammt aus dem Griechischen und bezeichnet einen Zustand der Unordnung. Beim Pferd also, ein unkoordinierter Bewegungsablauf.


- Auffälligkeiten beim Rückwärtsrichten: Unkoordinierter und schwerfälliger Bewegungsablauf, bishin zu Stürzen
- Bergab zeigen entsprechend erkrankte Pferde Schwierigkeiten, sie können teilweise die Fortbewegung ihrer Hinterbeine kaum koordinieren
- Das plötzliche Anhalten aus dem Trab, führt oftmals bei Pferden, die an spinaler Ataxie leiden, zu seltsamen Abläufen in der Hinterhand, bishin zu Stürzen
- Enge Wendungen auf der Hinterhand fallen diesen Pferden ebenfalls schwer, eine entsprechende Bewegungskoordination der Hinterbeine ist stark eingeschränkt oder gar nicht vorhanden
- Enge Wendungen bei Freilaufen, bereiten diesen Pferden ebenfalls Probleme, hier eignet sich der Bewegungsablauf dieser Patienten in der Hinterhand kaum dazu, vor allem Wendungen aus schnellerem Tempo, gleichgewichtstechnisch zu koordinieren

Hinzu kommen allerdings laut einstimmiger Meinung internationaler Experten Symtome, die gar nicht krankheitstypisch seien, wie

- Schraubende, wackelige Bewegungen im Trab und / oder Galopp
- In manchen Situationen, schiefe Körperhaltung
- Beim einseitigen Ziehen am Schweif, bringt ein an spinaler Ataxie leidendes Pferd, keinen oder einen ungenügenden Widerstand entgegen

Um anhand einiger oder vieler der oben aufgeführten Symtome, zu einer seriösen Diagnose zu gelangen, sollte zudem unbedingt eine röntgenologische Untersuchung der Wirbelsäule vorgenommen werden. Da eine spinale Ataxie oftmals auf Verletzungen der Wirbelsäule beruht, wobei hier knöcherne Verletzungen und dadurch bedingte Zubildungen, den Wirbelkanal einengen, kommt es dadurch zu Kompressionen von Rückenmark und Nerven, die zu ataktischen Erscheinungen führen.
Doch diese Läsionen lassen sich grösstenteils mit entsprechend angefertighten Röntgenaufnahmen nachweisen. Gleichwohl vermerkten auch einige Experten, dass in einigen eindeutigen Fällen von spinaler Ataxie (wobei hier schwere Formen angesprochen wurden, bei denen, die erkrankten Pferde sogar oftmals urplötzlich stürzten), kein röntgenologischer Nachweis zu erbringen gewesen sei.

"False Positives"
Einigkeit herrschte im indischen Hyderabad auch darüber, dass die Diagnose "spinale Ataxie" oftmals vorschnell ausgesprochen wird. So berichteten die Experten von zahlreichen Fällen, in denen besorgte Pferdebesitzer, vermeintlich ataktische Bewegungsabläufe, an ihren Pferden ausgemacht haben wollten. Doch gerade grossgewachsene und verhältnismäßig "langbeinige" Pferde bewegten sich - vor allem in jungen Jahren - unkoordiniert und geradezu tolpatschig, die Gleichgewichtsfindung fällt dieser Art Pferde besonders schwer. Doch das Zutreffen einiger oder mehrerer der oben beschriebenen Erscheinungen, rechtfertige noch lange nicht die Diagnose "spinale Ataxie". Was für vermeintlich erfahrene oder selbsterklärte Pferdefachleute ohne medizinischer Vorbildung, längst als sicher gelte und für manch Pferd das Todesurteil bedeute, sei aus Sicht der erfahrenen Veterinäre noch längst keine gesicherte Diagnose.

Die Tierärzte rieten dazu, nicht gleich hinter jedem vermeintlich "unkoordiniertem" Bewegungsablauf, spinale Ataxie zu vermuten. Kommt es allerdings zu plötzlichen und / oder sehr auffälligen Änderungen im Bewegungsablauf eines dem Besitzer oder Halter eines ihm bekannten Pferdes, so sollten aufmerksame Pferdebesitzer, schnellstmöglich einen kompetenten und mit ausreichenden diagnostischen Möglichkeiten ausgestattenen Tierarzt, hinzuziehen. (Bildmaterial: Conley Equine HospitaI)



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