Schneesturm TSF - Abdullah und seine Kinder

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Schneesturm TSF - Abdullah und seine Kinder

Trakehner im höheren Springsport - ein Widerspruch in sich? Derzeit mag dies so erscheinen, doch es war nicht immer so. Es gab einmal ein Trakehner Hengst, der sich anschickte, sich als Springvererber besonderen Formates zu profilieren - Abdullah.

Abdullah war kein glamouröser Hengst mit puppenhaften Zügen, er war kein "Herzensdieb" - er war das, was die Trakehner seit Jahrzehnten nicht mehr sind: Ein Leistungspferd erster Kategorie mit einer - gemessen an seinen geringen Bedeckungszahlen - nicht minder qualitätvollen Vererbung in Sachen Springpferde.
Der Weltcup-Sieger von Berlin 1985 und Einzel-Silbermedaillengewinner von Los Angeles 1984 war unter seinem Reiter Conrad Homfield mehrfacher Nationenpreisgewinner und glänzte in zahlreichen Großen Preisen. Gekört wurde Abdullah erst 1985, als der Trakehner Verband und seine Züchter kaum noch an den überragenden Leistungen des Schimmels "vorbeikamen". Züchterisch genutzt wurde der statiöse Schimmel wenig, was nicht zuletzt darauf zurück zu führen war, dass Abdullah sich im amerikanischen Besitz befand und in Deutschland nur via TG-Sperma wirken konnte. Darüber hinaus, sind Trakehner Züchter keinesfalls als Leistungsfanatiker verschrien, die selbsternannten "Erben und Lordsiegelbewahrer ostpreussischer Tradition" tendieren seit Jahrzehnten dazu, Leistung zugunsten von Exterieureigenschaften zu marginalisieren. Die Verwässerung einer klaren Leistungsaussage in Sachen Springsport äussert sich nicht zuletzt in der konsequenten Abwesenheit von Pferden mit Trakehner Brand auf internationalen Springplätzen.

Ausnahmen wie Altenbach TSF und Schneesturm TSF (v. Abdullah x Kassius) bestätigen hier die Regel. Der gekörte Schimmel Schneesturm TSF hatte sich am zweiten Augustwochenende in Waltrop unter dem Sattel von Ann-Katrin Strangarits, sowohl in einem S**-, als auch in einem S*-Springen platzieren können. Im vergangenen Jahr hatte Schneesturm TSF unter Denis Lynch ebenfalls hervorragende Resultate erzielt, seine Lebensgewinnsumme beträgt mittlerweile ca. 33.000 Euro.

Die Vererbung Abdullahs ist alles andere als zufällig, der Hengst vereinigt in seiner Abstammung zwei der leistungsstärksten Linien der Trakehner Zucht nach dem zweiten Weltkrieg: Maharadscha und Pregel, beide Träger des harten Fetysz OX-Blutes:

Pedigree
Abdullah (Trak.) Donauwind Pregel Tropenwlad
Peraea
Doanulied Boris
Donau
Abiza Maharadscha Famulus
Marke
Abendrot Absalon
Arbeitgeberin

Muttervater Maharadscha war einer der bedeutendsten Vererber der Nachkriegszeit, als Vater von Flaneur und Großvater von Arogno und Mackensen, zählt er zu den Linienbegründer der modernen Pferdezucht. Die Mutter von Abdullah, die Stute Abiza, brachte neben dem legendären Schimmel, fünf (!) weitere Nachkommen, allesamt erfolgreich im internationalen Vielseitigkeits- und Springsport. Darunter der gekörte Amiego (v. Handel), der in Deutschland ebenfalls kaum oder nur zögerlich genutzt wurde.
Dieser Stutenlinie der Arbeitgeberin (v. Alaskafuchs) entspringen auch die gekörten Hengste Abendglanz (v. Poet xx), Astor (v. Pregel) und Abisko (v. Sokrates). Dieser Stutenstamm wird derzeit in Belgien und den Niederlanden sehr geschätzt, die Nachkommen tragen allerdings seit geraumer Zeit den BWP- oder KWPN-Brand.

Gemessen an den geringen Bedeckungszahlen, hat sich Abdullah überragend vererbt: Seine Nachkommen sind oftmals Springpferde internationaler Prägung, allen voran der hannoversch gebrannte Airborne Monticello (Mutter von Duft II) oder das internationale Springpferd Abracadabra (Mutter v. Court Ruling xx). Ein weiterer bedeutender Sohn des Abdullah ist der mütterlicherseits französisch gezogene Cabdula du Tillard (Mutter v. Galoubet A), der ebenfalls international erfolgreiche SF-Hengst ist mütterlicherseits ein direkter Enkel der berühmten Stute Tanagra, ihrerseits Mutter des Jahrhunderthengstes Jalisco B.

Auch auf nationaler Ebene hat sich Abdullah als Springpferdemacher erster Kategorie bewährt, neben Schneesturm TSF, glänzen derzeit der ebenfalls gekörte Alaskatraum (Mutter v. Habicht) und sein Vollbruder Allegro in nationalen S-Springen. Der gekörte Fantome D'Abdullah (Mutter von Akademos xx), im Besitz der Familie Baunack, kann trotzt bescheidener reiterlicher Förderung, auch auf einige S-Erfolge verweisen.
Bedauerlicherweise kann kaum einer seiner in Deutschland wirkenden Söhne auf volle Decklisten verweisen, so dass zu befürchten ist, dass das überaus wertvolle Abdullah-Blut, in der Trakehner Zucht nur noch über die Mutterlinien Bestand haben wird.
Eine vertane Chance, die vielleicht zu der längst überfälligen Einsicht führen wird, dass Reitpferde an der Leistung unter dem Sattel - und nicht an der Leine, wie in der Dackelzucht - gemessen werden. Offenbar hat sich dies bei den Trakehner-Züchtern und -Verbandsoberen noch nicht herumgesprochen.


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