Pferde-Kennzeichnung - Chip/Transponder ist jetzt Pflicht

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Pferde-Kennzeichnung - Chip/Transponder ist jetzt Pflicht

Die ab dem 9. März 2010 geltende "Viehverkehrsverordnung" regelt in ihrer Neufassung die Kennzeichnung von Pferden. Kernpunkt ist, dass ein Transponder/Chip ab sofort verpflichtend ist. Was bedeutet dies konkret für Züchter und Verbände?

Pferde-Kennzeichnung mittels Cip / Transponder ist jetzt PflichtDie neu beschlossenen Änderungen der deutschen Viehverkehrsverordnung, die auch die Kennzeichnung von Tieren/Pferden regeln, wurden notwendig, um den europäischen Vorgaben aus der EU-Verordnung Nr. 504/2008 ("Regelung der Methoden zur Identifizierung von Equiden" ) zu genügen. Allerdings ist der deutsche Gesetzgeber hinsichtlich der Pferde-Kennzeichnung weit über das Ziel hinausgeschossen, denn die neue Viehverkehrsverordnung verpflichtet die Tierhalter bzw. Pferdezüchter dazu, alle nach dem 01.07.2009 geborenen Fohlen (Equiden) mit einem elektronischen Transponder, dem sogenannten Chip kennzeichnen zu müssen. In der EU-Verordnung hingegen, ist die Kennzeichnung mittels Chip zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine "Kann-Regelung", das heisst, die deutsche Gesetzgebung hätte das Brandzeichen als alleinige Kennzeichnungsmethode weiterhin akzeptieren können. Für Pferdezüchter heisst das konkret: Ab sofort müssen neugeborene Fohlen mittels Chip ("Chipen lassen" ) gekennzeichnet werden, die Fohlen können jedoch - je nach Wunsch des Züchters - weiterhin zusätzlich gebrannt werden.

Fakten zum Thema Chip / Transponder
Der Chip (auch Transponder genannt) ist nichts anderes als ein elektronisches Hilfsmittel für die automatisierte Erkennung von Tieren. Der Transponder hat in aller Regel die Maße von ca. 12 x 2 mm, seine Hülle besteht aus einem gewebeverträglichem Material (Kunststoff oder Glas, je nach Konzept des jeweiligen Herstellers). Das Implantat besteht intern aus einer Antennenspule und einer vorgeschriebenen 15-stelligen Identifikationsnummer. Der Transponder ist passiv, das heisst, erst beim Ablesen mittels Lesegerät, wird er "angeregt", seine Daten zu übertragen. Der implantierte Chip sendet demnach keine eigene Strahlung aus, er wird vielmehr lediglich beim Ablesevorgang kurzzeitig durch die niederfrequenten Radiowellen des Lesegerätes aktiviert und überträgt die gespeicherte Identifikationsnummer auf das Lesegerät.
Die Implantierung des Chips erfolgt mittels eines Einmalinjektors, eine Betäubung des Fohlens ist meist nicht notwendig. Der Chip mit seinen 15 Ziffern ist ISO-kodiert - die ersten drei Ziffern kennzeichnen beispielsweise das Herkunftsland des Pferdes (Deutschland ist z.B. 276), weitere zwei Ziffern kennzeichnen bei Chips neuerer Generation die Tiergattung (in diesem Fall Equiden).
Bei Pferden wird der Transponder intramuskulär in der Mitte der linken Halsseite (in den Musculus rhomboideus) oder im mittleren Halsdrittel des Nackenband-Kammfell-Bereiches implantiert.

Auswirkungen auf Pferdezüchter und Verbände
Die neue Viehverkehrsverordnung verursacht naturgemäß bei Pferdezuchtverbänden und in Züchterhaushalten vorerst einen erheblichen Mehraufwand. So müssen zukünftig alle Züchter, die ihr Fohlen registrieren/kennzeichnen wollen, im Vorfeld eine Registriernummer (auch Halternummer genannt) bei ihrer Kreisveterinär- oder Länderbehörde beantragen, die diesbezüglichen Regelungen verschiedener Bundesländer sind sehr unterschiedlich. Diese Registriernummer ist beispielsweise in allen gemeldeten landwirtschaftlichen Betrieben bekannt, lediglich Nichtlandwirte oder Hobbyzüchter müssen diese Halternummer neu/erstmalig beantragen. Die Erteilung dieser Halternummer ist (je nach Bundesland bzw. spezifischer Regelung) meist kostenlos und muss zum Zeitpunkt der Fohlenregistrierung dem jeweiligen Zuchtverband / "Brennbeauftragten" bereits bekannt sein. Die Verbände empfehlen in diesem Fall eine umgehende Meldung der Registriernummer des Zuchtbetriebes per Fax oder Mail. Wichtig: Diese Registriernummer/Halternummer bezeichnet den Zuchtbetrieb und wird nur einmal beantragt. Sie ermöglicht die Zuordnung eines jeden Pferdes zu einem bestimmten Zuchtbetrieb in der hierzu bestehenden HIT-Datenbank.

Handhabung der neuen Regelungen durch die Verbände
Die Pferdezuchtverbände wurden durch diese Neuregelungen förmlich überrannt und müssen nun - da die Fohlensaison und folglich demnächst deren Kennzeichnung ansteht - diesen erheblichen Mehraufwand schnell stemmen. Die meisten Zuchtverbände haben in dieser Angelegenheit ihre Züchter in der entsprechenden Verbandszeitschrift oder via Mitteilungsblatt bereits informiert, die Realität im Rahmen der anstehenden Brennterminen wird allerdings zeigen, ob sich die Pläne auch in der Praxis tatsächlich bewähren.
Die Informationspolitik des Hannoveraner Verbandes in dieser Sache ist beispielsweise als vorbildlich zu bezeichnen, der Verband informiert auf einer eigens angelegten Internetseite zusätzlich zum Thema Viehverkehrsverordnung (inkl. Download von Formblättern und Anmeldeformularen) und die zuständigen Mitarbeiter (Hr. Hahne) erteilen hierzu kompetente Auskunft.
Ebenso vorbildlich ist die Informationspolitik und Sachkompetenz des Oldenburger Verbandes, Dr. André Hahn (Assistent der Geschäftsleitung) erteilte zu allen Fragen der neuen Viehverkehrsverordnung klare Antworten, eindeutiges Zeichen für eine gute Organisation im Vorfeld.
Andere Zuchtverbände wie beispielsweise die Holsteiner oder Westfalen schmieden derzeit noch an konkreten Umsetzungs- und Durchführungsmaßnahmen, hier sollen bis spätestens Mitte April entsprechende Entscheidungen fallen.

Konkretes für die Züchter - Kosten
Eine Frage, die die Züchter in diesem Zusammenhang bewegt, ist die Frage nach den Kosten der Pferde-Kennzeichnung mittels Transponder/Chip. Diese Frage ist jedoch zum jetztigen Zeitpunkt schwer zu beantworten, da nicht nur Verbands- sondern auch länderspezifische Aspekte berücksichtigt werden müssen. So erstattet in Niedersachsen die Tierseuchenkasse die Kosten für die Transponder, so dass beispielsweise der Hannoveraner Verband in diesem Jahr für die Kennzeichnung der Fohlen mittels Chip keine Zusatzkosten berechnet (Verband trägt die Kosten, auch für das Implantieren).
Der Oldenburger Verband berechnet beispielsweise in diesem Jahr für die Fohlenregistrierung insgesamt 85,- Euro, darin sind Chip-Implantation und Brennen (falls erwünscht), eine DNA-Probe des Fohlens (ab diesem Jahr durch Beschluss der Delegiertenversammlung Pflicht) und natürlich auch die Ausstellung des Abstammungsnachweises beinhaltet.
In Bundesländern, in denen die Tierseuchenkasse oder die jeweils zuständige Behörde die Materialkosten nicht erstattet, werden die Zuchtverbände einen bestimmten Betrag hierfür von den Züchtern einfordern müssen, zudem die Implantation der Transponder durch Verbandsbeauftragte erfolgt und das versicherungstechnische Risiko der Implantation auch getragen werden muss. Schenkt man den aktuellen, verbandsinternen Diskussionen Glauben, so werden sich die Mehrkosten für die Züchter (je nach Verband und Bundesland) zukünftig auf ca. 15 - 30 Euro belaufen. Erweist sich jedoch die Implantation der Chips und der verwaltungstechnische Aufwand als erheblich zeitaufwändiger und kostenintensiver als zum jetztigen Zeitpunkt absehbar, wird die neue Pferde-Kennzeichnungsregelung für die Züchter erheblich teurer als derzeit vorgesehen.

Zusammenfassung und Praktisches

  • Pferdezüchter müssen - vollkommen unabhängig von Bundesland und/oder Verbandszugehörigkeit - eine Halternummer / Registriernummer beim Verband vorlegen (langeingesessene Landwirtschaftsbetriebe haben sie schon) und gegebenenfalls rechtzeitig neu beantragen. Hierzu sollten sich Züchter an den zuständigen Behörden (meistens Kreisveterinärämter, in Hessen die HVL z.B.) wenden. Eine Fohlenregistrierung ohne das Vorliegen der Halternummer ist ab sofort nicht mehr möglich
  • Züchter sollten sich möglichst frühzeitig bei ihrem Zuchtverband informieren, um etwaige Probleme im Vorfeld lösen zu können, bzw. gänzlich zu vermeiden
  • Züchter müssen ab sofort ihre Fohlen mittels Chip / Transponder kennzeichnen, es bleibt ihnen jedoch völlig frei, ihre Fohlen zusätzlich weiterhin brennen zu lassen
  • Wutausbrüche und Brandreden aus Verärgerung über die Auswirkungen der neuen Bestimmungen gegenüber Verbandsangehörigen sind völlig deplatziert und unsinnig, da die Pferdezuchtverbände in keinster Weise diesen Mehraufwand zu verantworten haben, sondern vielmehr - wie die Züchter auch - ausbaden müssen


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