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Mit ihrem Sieg am Sonntag im Großen Preis von Stuttgart, ist die erst achtjährige Hannoveraner Stute Gotha endgültig in der Liga der Weltklassepferde angekommen. Doch wer ist eigentlich diese Fuchsstute?
Gotha erblickte bei Jan Minners im Alten Land 2001 das Licht der Welt. "Wir haben ihre Mutter Pia v. Prestige Pilot überhaupt erst decken lassen, weil sich ihr Verkauf sehr schwierig gestaltete." Mutter Pia hatte wohl eine Stutenleistungsprüfung abgelegt, doch sie fiel weder in der Dressur, noch im Springen besonders auf. Mit Noten knapp über sieben, stufte man sie als leicht überdurchschnittlich ein. Auch ihr Freispringen riss niemanden direkt vom Hocker, so dass potentielle Kaufinteressenten abwinkten. Jan Minners ist Obstbauer - über 800 Tonnen Äpfel verlassen jährlich seinen Hof und so sagte ihm sein Geschäftssinn, Pia müsste mit einem Spitzenhengst bedeckt werden. Er entschied sich für Goldfever, obwohl der Grosso-Z-Sohn zu dieser Zeit keinesfalls zu den begehrtesten Adressen in Sachen Springpferdevererbung zählte. 
Und so wurde ein Jahr später die Fuchsstute Gotha geboren. "Sie war ein Durchschnittsfohlen", sagt Minners - war weder besonders hübsch, noch in irgendeiner Weise auffällig. "Was bemerkenswert war, war ihre Neugier und Unerschrockenheit. Und ihre guten Manieren im Umgang mit Menschen und Kinder", bemerkt ihr Züchter und fügt hinzu: "Da war Ihre Grossmutter - Devina von Drosselklang - da schon anders...Das Mistvieh schlug und führte sich derart auf, dass wir sie nach der Geburt ihrer Tochter Pia, abgegeben haben". Dreijährig wurde Gotha angeritten und Jens Klöppel (damals Sittensen) anvertraut, der die Stute im Sport zum Zwecke des Verkaufs vorstellen sollte. Jens Klöppel ritt die Stute vier- und fünfjährig und errang auch einige Platzierungen in den Klassen A und L. Problem: Gotha war zwar vorsichtig und konnte offensichtlich auch gewaltig springen, doch ihre Rittigkeit liess sehr stark zu wünschen übrig, so dass die Richter in Springpferdeprüfungen die Vorstellungen der kantigen, jungen Dame mit eher mäßigen Wertnoten honorierten. Bo Kristoffersen und andere Spitzenreiter probierten damals die sprunggewaltige Stute aus, doch sie lehnten dankend und kopfschüttelnd ab. Minners gab jedoch mit seinen Verkaufsbemühungen nicht auf und sprach im Rahmen des Turniers in Verden Markus Beerbaum an, der den Obstbauer nach Thedinghausen einlud, um Gotha auszuprobieren. Minners fuhr mit Gotha hin, doch sowohl Markus, als auch seine Frau Meredith bemerkten spontan, die Stute sei nichts für sie. Aber Markus rief seinen Bruder Ludger an und so vereinbarten Minners und Ludger Beerbaum einen Vorstellungstermin in Riesenbeck. "Am 20. Februar bin ich dann hingefahren", sagt Minners - Philipp Weishaupt hat vor den Augen seines Chefs Gotha geritten und gesprungen. Ludger war sehr angetan und so wurde die Stute an Ort und Stelle klinisch und röntgenologisch untersucht und anschliessend verkauft. Das Pferd gelangte im Jahr 2008 zum ersten Mal in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, als Ludger Beerbaum mit der damals erst siebenjährigen Hannoveraner Stute in Aachen, in 1,45m-Prüfungen, einige aufsehenerregende Runden drehte. Der Sieg am Sonntag im hochkarätig besetzten Großen Preis von Stuttgart ist für das Paar Beerbaum/Gotha ein erster großer, aber sicherlich nicht der letzte Höhepunkt ihrer noch jungen Karriere. Ein Blick in Gothas Pedigree lohnt sich durchaus, denn die Stute weist eine bemerkenswerte Linienzucht auf den Hannoveraner Zuchtheroen Grande auf:
Pedigree
| Gotha (Hann.) |
Goldfever |
Grosso Z |
Goliath Z |
| Füchsin |
| Gundula |
Galvano (v. Grande) |
| Dana |
| Pia |
Prestige Pilot |
Pilot |
| Denver |
| Devina |
Drosselklang II |
| Guernika (v. Grande) |
Hier taucht Grande als Vater der Gotha-Urgrossmutter Guernika als erstes Mal auf. Ein zweites Mal findet man Grande als Vater von Galvano und ein drittes Mal wird die Vererberlegende als Vater von Graphit (Muttervater von Pilot) vorstellig. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass Gotha dem gleichen Stutenstamm wie der geschätzte Leistungsvererber Graphit entpringt, eine Tatsache, um die sich Jan Minners nie gekümmert hat: "Ich bin Obstbauer - bei uns läuft die Pferdezucht nebenher. Ich habe gar keine Zeit, mich um hochtrabende Philosophien zu kümmern..." sagt er nüchtern zum Thema Abstammungsanalyse. Die Mutter von Gotha - die Stute Pia - kann mittlerweile auf zwei junge Nachkommen des Hengstes Quite Capitol verweisen, aktuell trägt sie zur Freude ihres Züchters erneut von Goldfever. Dieser Stamm kann jedoch einen weiteren Zweig in Bayern vorweisen, wohin die nicht ganz einfache Drosselklang-Tochter Devina verkauft worden war: Deren Tochter Darina (v. Grand Pilot I) war nämlich unter Werner Ehinger jun. im letzten Jahr (6-jährig) hocherfolgreich in Springpferdeprüfungen der Klasse A und L. "Als sie zu mir kam, war Darina hinten recht steif und sprang bestenfalls durchschnittlich. Mit der dressurmäßigen Arbeit hat sie sich jedoch enorm entwickelt, so dass sie mir zuletzt ein herausragendes Gefühl vermittelt. Jetzt kann man durchaus von einem Ausnahmepferd sprechen." sagt Ehinger, der hofft, die Stute in der nächsten Saison in Klasse S vorstellen zu können. Über Grand Pilot und Guernika ist Darina - analog Gotha - ebenfalls auf Grande ingezogen. Gutes Blut lügt eben nicht. (Bildmaterial: Andreas Heine) |