Kurt Gravemeier - Rücktritt immer wahrscheinlicher

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Kurt Gravemeier - Rücktritt immer wahrscheinlicher

Die Leistungen eines Bundestrainers werden seit jeher an den Erfolgen bei Championaten und Entwicklung der Mannschaft gemessen. Die Bilanz von Bundestrainer Kurt Gravemeier sieht hier alles andere als rosig aus.

Kurt Gravemeier - Nimmet er seinen Hut?Ohne einer einzigen Medaille und mit einem waschechten Doping-Skandal kehrt die einst so erfolgreiche deutsche Springreiter-Equipe aus Hongkong zurück. Legt man die Anzahl der Medaillen zugrunde (Einzel und Mannschaft), ist dies die schlechteste Bilanz der Springreiter seit 1928. Bedenkt man den Doping-Fall von Ludger Beerbaum in Athen 2004, aufgrund dessen Deutschland Mannschaftsgold zurückgeben musste und das Drama von Mannheim, sieht es schlecht aus mit der Bilanz des Kurt Gravemeier.
Der Mann aus Sendenhorst, dem viele eine chronische Führungsschwäche vorwerfen, hört dies alles nicht gern. Er möchte lieber noch einmal "alles in Ruhe analysieren" - und anschliessend relativieren. Fakten und Zahlen wirken hierbei nur störend. Doch über den bisher "blauen Himmel" des Bundestrainer-Daseins, brauen sich langsam aber stetig dunkle Wolken zusammen.

Das Poker-Spiel um die Olympiateilnahme
Seit Monaten zeigte Corradina unter Carsten-Otto Nagel konstant überragende Leistungen, allen voran die hervorragende Platzierung im Großen Preis von Wiebaden und der überzeugende Auftritt in Aachen. Doch das Paar wurde über geraumer Zeit mit einem "Ja, vielleicht..." hingehalten - bis es Reiter und Besitzer reichte und sie von allein auf einen Start in Hongkong "verzichteten" (verzichten mussten, um in der Öffentlichkeit nicht ihr Gesicht zu verlieren?).
Aboyeur unter Heinrich Hermann Engemann hatte ebenfalls in den letzten Monaten Championatsqualität bewiesen, das und die enorme Routine des Paares hätten eine Entscheidung pro Engemann bedeuten müssen.
Stattdessen entschied sich Kurt Gravemeier für Marco Kutscher mit Cornet Obolensky, ein Paar das in Aachen nicht unbedingt überzeugte. Zudem war bekannt, dass Cornet ab und an "blockiert". Was passierte in Hongkong? Cornet blockierte in der Distanz nach dem Wassergraben zum Steil und stand mit seinem Reiter auf den Hinterbeinen. Darüber hinaus, glänzte das Paar vom ersten Tag an - bedingt durch die Anzahl ihrer Abwürfe - durch die Lieferung der Streichergebnisse für die deutsche Mannschaft. Cornets sportliche Leistungen in aller Ehre, aber war dies alles nicht voraussehbar, bei einem championatsunerfahrenen Pferd mit zeitweiligen "Blockaden"? Für einen Fachmann wie Bundestrainer Gravemeier sicherlich schon, nur warum hat er sich für diese Konstellation und gegen die Konstanz von Heinrich-Hermann Engemann und Carsten-Otto Nagel entschieden?

"Beerbaum ist der bestimmende Mann"
...sagen viele Szeneninsider. Ludger Beerbaum beeinflusst demnach - für die Öffentlichkeit unbemerkt - die Zusammensetzung der deutschen Equipe. Von seinem Urteil und "Bauchgefühl" hängt es ab, wer für Deutschland reiten darf und wer nicht. Der starke Mann des deutschen Springsports hat sich durch überragende Leistungen in den letzten Jahren seine Führungsposition innerhalb des Teams redlich verdient - doch er ist nicht Bundestrainer der Springreiter (zumindest offiziell nicht). Und Beerbaum (oder doch Gravemeier?) hat sich in diesem Jahr mit Cornet geirrt, genauso wie mit Küchengirl, letztes Jahr in Mannheim. Damals standen der frisch gebackene deutsche Meister - Rene Tebbel mit Coupe de Couer - und Engemann mit Aboyeur bereit. Für beide reichte es nur zum "Ersatzreiter", die Katastrophe mit der kapriziösen Küchengirl dürfte jedem Springsport-Fan geläufig sein.

"Kurt setzt sich einfach nicht durch"
Gravemeier würde sich gegen die Einflussnahme aus bestimmten Kreisen nicht genug durchsetzten, werfen ihm Kenner vor. Doch wozu braucht unsere Springreiter-Equipe dann überhaupt einen "Bundestrainer"? Kurt Gravemeier sollte Kraft seines Amtes die bestimmende Person sein, für reines Absegnen von Entscheidungen Dritter ist dieses Amt zu schade!
Ein Nationenpreisreiter sagte einmal zu mir: "Du machst es Dir einfach - doch was passiert wenn die Hauptmäzene (derzeit Madeleine Winter-Schulze und ihre Schwester Marion Jauss) des deutschen Spring- und Dressursports, sich dann zurückziehen würden?"
Wie bitte? Mäzene die "ihre" Pferde und Reiter um jeden Preis bei Championaten sehen wollen? Auch wenn es geeignetere Paare gibt? Normalerweise undenkbar, aber die miserablen Vorstellungen von Christian Ahlmann und Cöster (dessen Mäzenin Marion Jauss ist) könnten diesen leisen Verdacht aufkommen lassen...

Das Problem mit der Führungsschwäche ist nicht neu
Als Kurt Gravemeier im Jahr 2000 das Amt des leitenden Bundestrainers übernommen hat, hat er nicht nur eine große Bürde an Medaillen, sondern auch eine Führungsverpflichtung übernommen. Der er bisher nicht gerecht geworden ist, von den dürftigen Erfolgen auf Championaten einmal ganz abgesehen.
"Eingeklemmt" zwischen einer Vielzahl von Interessen Dritter, der FN (die ihn lediglich für 150 Arbeitstage im Jahr bezahlt), die auch mitreden will und zeitweilig kollidierenden Interessen von Reitern und Mäzenen, droht seit geraumer Zeit das Amt des Bundestrainers, obsolet zu werden. Ausser man zeigt sich "sattelfest" und lässt keinerlei Befindlichkeit und persönliche Interessen - die sich hinter dem holden Spruch "Wir wollen doch nur das Beste für unsere Mannschaft" verstecken - zu.
In der Doping-Affäre um Ahlmann und Cöster muss sich Kurt Gravemeier ebenfalls fragen, ob er sich (nicht zuletzt im Vorfeld, nach den Erfahrungen in Athen)genügend um das Thema Medikation/Doping gekümmert hat. Heinrich-Hermann Engemann wird diesbetreffend mit den Worten zitiert: "Ich verstehe nicht, dass sich der Bundestrainer nicht genügend darum gekümmert hat".
Der ehemalige Kaderreiter Holger Hetztel wird in der Sache noch deutlicher: "Der Trainer kann sich nicht hinstellen und sagen: 'Ich wusste nichts davon.' Wenn er nichts gewusst hat, dann hat er seine Jungs nicht im Griff."

Gravemeiers Bilanz sieht insgesamt bescheiden aus, denn neben dem aktuellen Doping-Problem und dem dadurch bedingten Imageschaden für den Springsport in der Öffentlichkeit, muss er eine jahrelange Führungs- und Glaubwürdigkeitskrise verantworten, die ebenfalls nicht spurlos an den Beteiligten vorübergehen wird.
Es ist Zeit für einen Neuanfang, für einen resoluten Bundestrainer, der sich den Auseinandersetzungen mit verschiedenen Interessen, Reitern und Mäzenen stellt. Es muss ein bereinigendes Gewitter geben, das den Nebel aus Seilschaften, Gefälligkeiten und halbherzigen Entscheidungen weichen lässt. Im Sinne des deutschen Springsports und der vielen Menschen, die ungläubig über das "muntere Treiben" der letzten Jahre den Kopf schütteln. Und dafür muss Kurt Gravemeier gehen. (Foto: Privat, Gera 2007)

Update vom 05.09.2008
Kurt Gravemeier gibt Rücktritt bekannt


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