Hongkong und die heile Welt der FN: "Die Stimmung ist gut"

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Hongkong und die heile Welt der FN: "Die Stimmung ist gut"

Fünf Tage nach der Ankunft der Pferde in Hongkong, sei die Stimmung im deutschen Lager gut, vermeldet die FN. Die deutschen Pferde seien alle soweit gesund, nun gilt es, sich an den klimatischen Bedingungen in Hongkong anzupassen.

FN und Olympiade in HongkongCarsten Rohde - Mannschaftstierarzt der Vielseitigkeitsreiter - erklärt in der Pressemeldung der FN ausführlich, aber nicht zum ersten Mal, dass die Hochleistungspferde, auf Reise und Klimabedingungen nun einmal unterschiedlich reagieren würden. Zuletzt wird jedoch bestätigt, alles ist gut. Seien wir doch einmal ehrlich: Wer hätte es anders erwartet? Die Deutschen gelten gemeinhin als Weltmeister der Organisation, hierzulande überlässt niemand eine solche Strapaze dem Zufall und schon gar nicht, wenn Pferde involviert sind. Die deutschen Reiter, Tierärzte und Begleiter haben sich akribisch und langfristig auf Hongkong 2008 vorbereitet.

Derartige Belanglosigkeiten sind jedoch der FN eine pompöse Pressemeldung wert, vermutetes Motto: "Da haben die Leute was zum Lesen". Ach, nein!
Wenn es allerdings darum geht, dass die FN ihre gesellschaftspolitische Verantwortung wahrnimmt, dann bekleckert sich die Institution nicht unbedingt mit Ruhm - kein Wort über Einschränkungen der Pressefreiheit, kein Wort zu bedaurlichen Begleitumständen. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen!
Es ist bequem, Plattitüden zu verbreiten, oder wer weiss es nocht nicht, dass wir Deutsche in Sachen Pferdezucht, Reiterei oder Pferdemanagement nicht weltweit führend sind? Wer hat - nach dem "Favoritensterben" der Holländer - noch Zweifel daran, dass die deutschen Olympia-Reiter nun ganz heisse Kandidaten für die Mannschafts- und Einzeltitel in Hongkong sind? Und wenn dies alles bereits bekannt ist, ist es nicht an der Zeit, wirkliche Verantwortung zu übernehmen? Chancen zu nutzen?

Die FN ist keine politische Institution sondern eine "reiterliche Vereinigung". Als solche trägt sie jedoch auch eine nicht mindere Verantwortung für damit im Zusammenhang stehenden gesellschaftspolitischen Ereignissen, zudem wenn solche die gebotene Achtung der Menschenwürde und Äusserung der Meinungs- und Pressefreiheit betreffen. Doch die FN bleibt untätig. Dabei könnte sie den Pferdefreunden - die nebenbei auch Souveräne einer demokratischen Gesellschaftsordnung sind - erzählen, unter welchen Umständen, die Olympischen Spiele stattfinden. Sie könnte ihnen beispielsweise erzählen, dass die chinesischen Behörden im Jahr 2006 mehr als 70 Verordnungen und Gesetze erlassen hat, um einen "ungestörten" Betrieb der Olympischen Spiele 2008 zu gewährleisten. Und diese hören sich so an:

"(...) um nicht erwünschte Personen von der Stadt fernzuhalten. Betroffen sind Einwohner ohne eine Wohnberechtigung für Peking, Wanderarbeiter, Bettler und Menschen mit geistigen Behinderungen. Die Grenzkontrollen und die Überwachung von Nichtregierungsorganisationen sollen verschärft sowie sämtliche Proteste verboten werden. Die Einwohner Pekings werden dazu aufgerufen, während der Spiele zu Hause zu bleiben. Außerdem sollen Personen, die regimekritisch auffallen, strafrechtlich stärker verfolgt werden."

In der heilen Welt der FN finden politisch Verfolgte, Vertreibung von Menschen mit Behinderungen und sonstige menschenverachtende Massnahmen der chinesischen Regierung keinerlei Beachtung, es sind ja schliesslich nicht unsere Vierbeiner betroffen. "Es geht uns nur um den Pferdesport" - wird die FN dazu sagen, dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte der Wahrheit besteht aus Bequemlichkeit und nicht vorhandener Zivilcourage und damit steht die FN nicht allein, sie ist vielmehr Symbolfigur für eine Gesellschaft, in der die tägliche Möhre für das geliebte Pferd wichtiger ist, als der Kampf für Durchsetzung und Aufrechterhaltung elementarer Menschenrechte.
Die FN hat auch ein Interesse daran, dass die Olympischen (Reiter)Spiele einer breiten Öffentlichkeit, möglichst "gelungen" und im besten Licht erscheinen. Von den Interessen der Sponsoren wollen wir hier gar nicht reden...

Was hat dies alles mit Pferden zu tun? Ganz simpel - Alan Brantley, Analyst im Bereich Gewaltkriminalität beim FBI, hat einmal gesagt "Wir glauben, dass Gewalt gegen Menschen eine Eskalation von Gewalt gegen Tiere ist. Tiere können menschliche Opfer repräsentieren." Man kann somit nicht wirklich Tiere lieben, wenn man gleichzeitig menschliche Belange nicht wahrnimmt oder missachtet. "Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen" ist hierbei fehl am Platz - auch im Falle einer Deutschen Reiterlichen Vereinigung.


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