FEI - Tauziehen um Prinzessin Haya bint Al Hussein

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FEI - Tauziehen um Prinzessin Haya bint Al Hussein

Als Prinzessin Haya bint Al Hussein im Jahr 2006 Präsidentin der FEI wurde, war die ganze Welt entzückt. Nun stehen im November erneut Wahlen an und der Prinzessin bläst vor allem aus Europa, ein eiskalter Wind ins Gesicht.

FEI - Tauziehen um Prinzessin Haya bint Al HusseinMit der Wahl von Prinzessin Haya 2006 zur Präsidentin des internationalen Reiterverbandes FEI, knüpfte man zum damaligen Zeitpunkt gewaltige Hoffnungen. Hoffnungen auf grundlegende Erneuerungen, auf Modernisierung und auf frischen Wind in einer weitestgehend von Männern beherrschten Pferdesportbürokratie.
Und auf den ersten Blick, schien Prinzessin Haya wie dafür geschaffen: Als Tochter des verstorbenen jordanischen Königs Hussein und als Frau von Muhammad bin Raschid Al Maktum (Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate), umgab sie eine Aura von Royalty und unermäßlichem Reichtum. Darüber hinaus, hatte Prinzessin Haya (damals als Haya von Jordanien) als aktive Springreiterin an den Olympischen Spielen in Sydney im Jahr 2000 teilgenommen, endlich eine FEI-Präsidentin, die etwas vom Spitzensport versteht und hier die FEI auch weiterbringen kann - dachte man. Darüber hinaus ist die sympathisch daherkommende Prinzessin eine moderne, emanzipierte Frau, Oxford-Absolventin in Wirtschaft, Philosophie und Politikwissenschaften. Ein vermeintlicher Glücksfall und Hoffnungsschimmer für den angestaubten, leicht angegilbten Reiterverband.

Doch die anfängliche Euphorie sollte schnell weichen, die Prinzessin erwies sich recht schnell als überaus eigensinnig und das nicht nur gegenüber Funktionären auf nationaler und internationaler Ebene. Ihre Vorstellungen und Ansichten eggten auch schnell in der Öffentlichkeit an, man schüttelte zunehmend den Kopf über Führungsstil, Desinformationspolitik und inhaltliche Ausrichtung der charmanten FEI-Chefin. Als vor zwei Jahren - anlässlich der Olympischen Spiele in Hongkong - die Pferdewelt durch einen waschechten Dopingskandal erschüttert wurde, hätte die Welt und die pferdeliebende Öffentlichkeit Antworten und Konsequenzen seitens der FEI erwartet. Doch die FEI tat genau das Gegenteil - nichts. Vielmehr versuchte der internationale Verband, in der Angelegenheit auf Zeit zu spielen und die Schwere der Vorfälle zu relativieren und herunterzuspielen. Die dann doch verhängten Strafen und Sperren sind mehr dem öffentlichen Druck, als der inneren Überzeugung der FEI entwachsen, zum Leidwesen eines fairen und transparenten Pferdesportes.

Im Rahmen der öffentlich hitzig geführten Diskussion um das Thema Rollkur, hat die FEI unter der Führung von Prinzessin Haya bint Al Hussein ebenfalls mit ihrer Entscheidungsfreudigkeit kaum geglänzt, der zuletzt dem Verband mühsam abgerungene Kompromiss riecht eher faulig und schiebt den (bedauernswerten) Stewards eine schwere Verantwortungslast zu.
Das Gezerre um die zuerst beschlossenen und dann doch revidierte Medikationsliste, deutet auch darauf, dass hier das wirtschaftliche Diktat der Pferdindustrie und -handel durchgesetzt werden soll, vorbei an den gesundheitlichen Interessen der Pferde und der öffentlichen Empörung.

Vor allem die europäischen Reiterverbände erhoben ihre Stimme gegen die befremdlich anmutende Vorgehensweise und Ansichten der FEI-Chefin, man fühlte sich nicht mehr entsprechend vertreten.
Im November stehen in Taipeh nun erneut Wahlen für den Chefsessel der FEI an und Prinzessin Haya kann sich angesichts des sich formierenden Widerstandes, ihrer Wiederwahl gar nicht mehr sicher sein. Der Deutsche Breido Graf zu Rantzau ist bekanntermaßen ein erklärter Gegner der Prinzessin und die Meinung des Grafen zählt bei den europäischen Verbänden einiges.
Hayas stärkster Gegner dürfte jedoch der Schwede Sven Homberg sein, bisher Vizepräsident der FEI und ein Mann, der seine Ansichten auch gegen die Interessen der Prinzessin vertritt. In Kopenhagen hatte Holmberg seinerzeit vehement gegen die ruckartige Einführung der Medikationsliste opponiert und sich damit offen aber wirkungsvoll gegen seine Präsidentin positioniert - zur großen Erleichterung von Öffentlichkeit und empörten Tierschutzverbänden.

Doch wer Hayas strategischen Fähigkeiten unterschätzt, der täuscht sich: Wohlwissend um das grossen Fragezeichen hinter ihrer Person, nutzte die Prinzessin geschickt die Weltreiterspiele in den USA und lud hochrangige Funktionäre auf das Anwesen der Maktum-Familie (die sich in den USA auch im Rennsport stark engagiert) in Kentucky ein. Networking nennt man das in der heutigen Welt. Ihre Gegenkandidaten in Taipeh (neben dem Schweden Holmberg, tritt auch noch der Niederländer Henk Rottinghuis zur Wahl an) entspringen jedoch keinem Königshaus und verfügen auch nicht annähernd über das gleiche "Wahlkampfbudget" wie Prinzessin Haya bint Al Hussein. Aber vielleicht über mehr Überzeugungskraft und öffentliche Glaubwürdigkeit. (Foto: Andreas Heine)


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