Die Pferdezüchter und das Schweigen der Lämmer

Pferdezucht - Pferdesport - Pferdehaltung

Pferdeanzeiger - Pferdeverkauf Online
Startseite About Kontakt Sitemap Impressum

Die Pferdezüchter und das Schweigen der Lämmer

Wir alle leben in einer zunehmend kritischen Gesellschaft. Vermeintliche Mißstände und Fehler werden nicht mehr schweigend hingenommen, die Verursacher sehen sich immer lauter werdenden Kritik ausgesetzt. Warum schweigen gerade Pferdezüchter?

Sind Pferdezuechter ohnmaechtig?Es ist amtlich: Weder irrsinnige Entscheidungen in der Politik noch Maßlosigkeit von Unternehmen werden durch die Menschen hierzulande geduldig hingenommen. Als steuerzahlender Bürger dieses Landes, hat man auch Rechte und dazu gehört das Recht auf Meinungsfreiheit. Darüber hinaus hat man in Sachen Verteilung der abgeführten Steuergelder ein aktives Mitspracherecht. Doch warum herrscht in der Pferdebranche seit jeher das "Schweigen im Walde"? Warum ärgern sich Züchter über Fehler und Mißstände, artikulieren jedoch - ausserhalb von wutschnaubenden Diskussionen unter Gleichen - kaum ihre Meinung öffentlich oder gegenüber den Verantwortlichen?

Die kollektive Hilflosigkeit
Das Gefühl, man könnte als Einzelner kaum etwas bewirken ( "Ich kann sagen und machen was ich will, die da oben machen doch was sie wollen" ) hindert viele Menschen und auch Pferdezüchter daran, sich an aktiven Gestaltungsprozessen zu beteiligen. Man kann "die da oben" sehr wohl dazu bewegen, andere Pfade zu gehen, so man sie gehörig unter Druck setzt. Die Hilflosigkeit des Einzelnen ist eine Einbildung, die in der Realität kaum existiert - Mißstände und Irrsinn betreffen meist eine Gemeinschaft von Menschen und diese Gemeinschaft ist es, die über die Macht verfügt, Veränderungen zu bewirken. Eine Stimme ist in den allermeisten Fällen zu wenig, der Aufschrei Tausender allerdings kaum überhörbar.

Die unausgesprochene Kritik
Pferdezüchter ärgern sich ständig, sei es über merkwürdige Verbandsentscheidungen bei Körungen oder Zuchtschauen, sie echauffieren sich über extrem gestiegene Bedeckungs-, Tierarzt- oder Ausbildungskosten und hadern mit Kaufinteressenten, die nicht bereit sind, die vermeintliche Qualität ihrer Zuchtprodukte vorstellungsgemäß zu entlohnen.
Doch warum waschen sie beispielsweise nicht einmal dem "gierigen" Hengsthalter den Kopf? Warum handeln sie nicht bessere Preise bei den Bedeckungen und tierärztlichen Untersuchungen aus? Warum nehmen sie hohe Rechnungsbeträge hin und ärgern sich anschliessend darüber?
Der Pferdezüchter ist derjenige, der die "Pferde-Party" gesamthaft finanziert. Seine Verbandsbeiträge ermöglichen das muntere Treiben der Funktionäre, seine Deckgebühren die fulminanten Anlagen, bunten Hochglanzprospekte und Edelkarossen der Hengsthalter und seine steigenden Tierarztkosten sichern die Existenz zahlloser Pferdetierärzte und entsprechender Fachkliniken. Darüber hinaus finanziert der Pferdezüchter bei oftmals kaum kostendeckenden Preisen für seine Zuchtprodukte, das Hobby und den sportlichen Ehrgeiz seines Klientels.
Hieraus ergibt sich eine Macht, die Züchter kaum oder nicht genügend wahrnehmen und für sich einzusetzen wissen. Was würde denn passieren, wenn Scharen von Züchtern - analog den heute geläufigen Pferdekunden - gegenüber ihren Dienstleistern (Hengsthaltern, Tierärzten, Verbänden, etc.) das Motto walten lassen würden "Bruder lass die Hälfte schwinden, dann wird der Handel schon gelingen"?
Was würde passieren, wenn Körkommissare im Falle undurchsichtiger oder umstrittener Körentscheidungen wiederholt mit einem gellenden, endlosen Pfeifkonzert konfrontiert oder gar ausgebuht werden würden? "Die da oben" würden ins Schwitzen kommen und beim nächsten Mal, bedächtiger mit eigenwilligen Entscheidungen umgehen. Vermutlich gäbe es gar kein "nächstes Mal"...

Die vermeintliche Angst und Respekt vor der Obrigkeit
Die bäuerliche Tradition der Pferdezucht geht seit jeher mit großem Respekt gegenüber vermeintlich "Höhergestellten" einher. Verbandsobere, große Hengsthalter, Tierärzte und renommierte Ausbilder waren und sind noch zuweilen Respektpersonen für die Züchter, jahrelang hatten ihre Aussagen und "Basta-Politik" in den Augen der Pferdezüchter, biblischen Charakter.
Die Zeiten haben sich jdoch verändert, feudale Führungs- und Entscheidungsstrukturen gehören zunehmend der Vergangenheit an. Der Pferdezüchter ist innerhalb dieses Systems ein Souverän, der als Zahler jederzeit an Gestaltungsprozessen mitbeteiligt werden will und auch harsche Kritik - so sie denn sachlich richtig ist - äussern darf. Die Zeiten, in denen Zuchtverbände, kritische Züchter mit "Liebesentzug" in Sachen Körungen, Zulassung ihrer Zuchtprodukte für Auktionen, etc. bestrafen, sollten längst vorüber sein. Sollten - denn die Realität spricht oftmals eine andere Sprache, die "Obrigkeit" betrachtet offene Kritik immer noch als Majestätsbeleidigung. Doch diese demokratieverachtende Despoten-Mentalität wird sich ändern, doch dazu später.

Öffentlich und deutlich vorgetragene Kritik hilft
Verbände und Dienstleister scheuen oftmals öffentliche Kritik wie der Teufel das Weihwasser. Kritische Äusserungen trüben das von ihnen gern gesehene Bild einer vermeintlich heilen Welt, in der sie die Rolle der unumstrittenen Herden- und Meinungsführer bekleiden. Doch kaum ein Herdenführer ist heute noch unumstritten, Kritik ist auch eine einmalige Chance, Vorgehensweisen und Entscheidungsgrundlagen einem Erneuerungsprozess zu unterziehen.
Ganz anders als in dem bekannten Film "Das Schweigen der Lämmer", muss in diesem Fall nicht das Schreien, sondern das Schweigen aufhören - Schweigende Lämmer könnten sonst den Eindruck erwecken, man merke gar nicht, dass man zur Schlachtbank geführt wird. Das Schweigen ist in dieser zeitweilig miefigen Branche ein Zeichen von Missbilligung Ohnmächtiger. Und welcher Züchter will schon gern ohnmächtig sein?


Frühere Artikel aus dieser Rubrik:

Schnellsuche

Pferde - Zucht - Sport

Newsletter


 Abonnieren
 Abbestellen

Tageskarte

Zurück August '16
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 31        

News Feeds              Archive

Sämtliche Logos und eingetragene Warenzeichen sind Eigentum der jeweiligen Besitzer
© 2016 Pferde - Gestüt.de - Magazin zum Thema Pferd, Reitsport und Pferdezucht