Bundesrat: Schenkelbrand soll verboten werden

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Bundesrat: Schenkelbrand soll verboten werden

Der Deutsche Bundesrat hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, den Schenkelbrand bei Pferden endgültig verbieten zu lassen und ist damit einem Antrag des Landes Rheinland-Pfalz gefolgt.

Bundesrat-Beschluss - Schenkelbrand soll bei Pferden verboten werdenNach diesem Beschluss des Bundesrates, hat die Bundesregierung nun den Auftrag, das Tierzuchtgesetz in seiner jetztigen Fassung, entsprechend zu ändern. Die Kennzeichnung von Pferden durch Schenkelbrand wird bisher im §5 des Deutschen Tierschutzgesetzes geregelt, dort heisst es im Absatz 7: "[...] sowie die Kennzeichnung landwirtschaftlicher Nutztiere einschließlich der Pferde durch Ohrmarke, Flügelmarke, injektierten Mikrochip, ausgenommen bei Geflügel, durch Schlagstempel beim Schwein und durch Schenkelbrand beim Pferd." Allerdings heisst es zu Anfang des besagten Paragraphen auch: "An einem Wirbeltier darf ohne Betäubung ein mit Schmerzen verbundener Eingriff nicht vorgenommen werden."
Und daran entzünden sich die Geister, EU-Bürokraten und die Lobbyisten der Tierärzteschaft behaupten - im Gegensatz zu FN, Pferdezuchtverbänden und ihre Mitglieder - der Schenkelbrand (auch Heissbrand genannt) würde den Pferden erhebliche Schmerzen zufügen und wäre aufgrund der seit Anfang 2010 verplichtenden Kennzeichnung durch Mikrochip, völlig unnötig.

Die FN und die deutschen Pferdezuchtverbände hatten die sich auf EU-Ebene abzeichnende Beschlusslage in Sachen Kennzeichnung durch Mikrochip (EU-Verordnung Nr. 504/2008 - "Regelung der Methoden zur Identifizierung von Equiden" ) geradezu verschlafen, darüber hinaus wurden die Pferdeorganisationen durch die Haltung verschiedener Bundesländer in der Angelegenheit, ebenfalls überrascht. Das Nichthandeln dieser Branchenvertreter gilt allenorts als Zeichen für mangelnde Professionalität und Realitätsverkennung der selbstverliebten Pferdebranche. Mit schwerwiegenden Folgen für ihre Mitglieder, die wohl zukünftig auf den Schenkelbrand als Markenzeichen ihres Zuchtverbandes, werden verzichten müssen.
Darüber hinaus, verursacht die Argumetationsweise der Verbandsvertreter in Sachen Fortbestand des Heissbrandes - so beispielsweise der Brief (PDF-Dokumnet) des Hannoveraner Zuchtleiters Dr. Werner Schade an den niedersächsischen Ministerpräsidenten, David McAllister - in Politikerkreisen geradezu Kopfschütteln: "Aus Sicht des Hannoveraner Pferdezuchtverbandes, eine mehr als dürftige Argumentation", so ein eingeweihter Staatssekretär gegenüber Pferde-Gestuet.de. "Stümperhafter kann man kaum zum Ausdruck bringen, dass es den Verbänden um Branding, also um die Wiedererkennung eines Markenzeichens geht. Und das soll eben nicht mehr sein - es geht hier um das Wohl der Tiere und nicht um Brand Awareness und wirtschaftliche Interessen der deutschen Pferdezuchtverbände", so unser Informant weiter.

Dieser Bundesrat-Beschluss, der unweigerlich das Ende des Schenkelbrandes bedeutet, stiess naturgemäß bei Vertretern der FN und mancher Zuchtverbände auf völliges Unverständnis: "Wir sind sehr enttäuscht über diese Entscheidung. Ein über Jahre gut funktionierendes System zur Kennzeichnung von Pferden wurde einfach so weggewischt. Den Argumenten der organisierten Pferdezucht wurde überhaupt keine Beachtung geschenkt", sagte beispielsweise Theodor Leuchten, Vorsitzender des FN-Bereichs Zucht und des Rheinischen Pferdestammbuchs.
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung und die ihr angeschlossenen Zuchtverbände hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass sich weder der Brennvorgang noch die Brandwunde als "erhebliche Schmerzen" im Sinne des Deutschen Tierschutzgesetzes einstufen liessen. So wurden über Jahre immer wieder Gespräche mit Staatsekretären, den Tierseuchenreferenten von Bund und Ländern und den Landwirtschaftsministern der Länder geführt. Auch der Versuch, Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner zu überzeugen, scheiterte.

Die FN und die deutschen Zuchtverbände behaupten zwar aktuell, seit Jahren für die Erhaltung der Kennzeichnung von Pferden durch den Schenkelbrand gekämpft zu haben, doch können sie sich in keinster Weise vom Vorwurf freisprechen, den politischen "Ernst der Lage" völlig verkannt und zu spät (und dann auch mangelhaft) gehandelt zu haben.
Überdenkt man nüchtern den Sachverhalt, so bleibt zu konstatieren, dass zukünftig - unabhängig von Schenkelbrand oder Herkunft - alle Pferde gleichgestellt sind. Etwaige Qualitätsunterschiede werden dann spätestens unter dem Reiter sichtbar und nicht mehr durch den Heissbrand als Markenzeichen.


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