Kompromislose LeistungszuchtDie Grundlage einer streng leistungsorientierten Pferdezucht wird durch eine weit über dem Durchschnitt stehenden Stutengrundlage gebildet; hier ist jedoch nicht nur eine leistungsmässig bewährte Abstammung und ein über Generationen bewährter Mutterstamm gemeint, sondern gleichzeitig der Leistungsnachweis einer Mutterstute in der jeweiligen Sportsparte erforderlich.
Nur Stuten aus herausragendem Muterstamm, die über Jahre im Sport Leistungsvermögen, Ehrgeiz und einen ungebrochenen Leistungswillen unter Beweis stellen und sich gleichzeitig durch eine gesunde Konstitution bewähren, werden diese erwünschten Eigenschaften ihren Nachkommen weitervererben. Sind die Eigenschaften des einzelnen Muttertieres abstammungsmäßig stark abgesichert und entspringt die Stute einem leistungsmäßig bewährten
Mutterstamm, so sind von der Nachkommenschaft besondere Sporteigenschaften und eine eiserne Konstitution zu erwarten.
Die Hengste - Hohe Anforderungen an Vatertieren
Ebenso wie die Mutterstute, muss der Hengst - neben einer bewährten, lupenreinen Abstammung - über ein herausragendes Leistungspotential hinsichtlich jahrerlanger Gesundheit, Leistungsvermögen und Siegeswillen verfügen. Guten Charaktereigenschaften ist ebenso eine hohe Bedeutung beizumessen, wie einer weit über dem Durchschnitt angesiedelten Leichtrittigkeit und einer leichten "Bedienbarkeit" durch Amateure - schliesslich wird hochkarätiger Beritt nicht mitvererbt.
Um eine dauerhaft erfolgreiche Pferdezucht zu betreiben, haben sich erfolgreiche Sportpferdezüchter seit Jahren für die Selektion der Elterntiere nach Abstammung und Leistungsprinzip entschieden und züchten seit geraumer Zeit nur noch mit im Sport bewährten Stuten und international erfolgreichen Hengsten nach dem Zangersheide-Modell. Der kostenmäßige und zeitliche Aufwand - auch hinsichtlich einer über Jahre andauernden, tiergerechten Ausbildung der Pferde - ist viel zu hoch, um die Zucht der Hoffnung oder gar dem Zufallsprinzip zu überlassen.
Qualität statt Masse
Seit jeher stellen erfolgreiche Leistungszüchter hohe Ansprüche an die für eine gehobene Qualität erforderlichen Eigenschaften der einzelnen Zuchtpferde, zu allererst an deren angeborenen Reitpferdeeigenschaften:
- Elastischer und getragener Bewegungsablauf - Ein Springpferd muss über keine überragenden Trabbewegungen verfügen, ein lockerer Bewegungsablauf, verbunden mit einem uanabdingbaren Gebrauch der Rückenmuskulatur, erleichtert enorm die Ausbildung; ein zukünftiges Springpferd sollte von Natur aus in der Lage sein, auf der Hinterhand tragen zu können und ebenfalls über ein natürliches Gleichgewicht verfügen
- Angeborene Rittigkeit - Eine reitgerechte Maultätigkeit und naturgegebene Rittigkeitseigenschaften erleichtern zu Anfang die Ausbildung und später die tägliche Arbeit, sowohl für den Reiter, wie auch für das designierte Sportpferd; angenehme Rittigkeitswerte machen sich ebenfalls bei einem eventuellen Verkauf bemerkbar, denn wieviele sportlich ambitionierte Kaufinteressenten (auch aus dem Amateurbereich) können und wollen sich überhaupt mit einem unrittigen Sportpferd überhaupt abgeben ?!
- Gesundheit und zweckdienlicher Körperbau - Eine naturgegebene Härte, genetisch untermauert durch frühere Generationen und dauerhaften Sporteinsatz, sind neben den Belegen einer entsprechenden röntgenologischen Untersuchung (z.B. OCD-frei, etc.) von grösster Wichtigkeit für einen jahrelangen Einsatz der Nachkommen im Springsport. Ein korrekter Körperbau - möglichst ohne grossen Schwachpunkten hinsichtlich Fehlstellungen der Gliedmassen, etc. - und eine gute Hufqualität sind ebenfalls von entscheidender Bedeutung.
- Gute Charaktereigenschaften im Umgang - Da sich gute wie schlechte Charaktereigenschaften vielfach weitervererben, sollte man nur mit Elterntieren züchten, die sich als bedienungs- und menschenfreundlich im Alltag erweisen und über eine gewisse Charakterfestigkeit und grossem Selbstbewusstsein verfügen: Dauerhafte Leistungsverweigerung und Feigheit im Parcours sind beispielsweise unerwünschte Charaktereigenschaften, die zum Ausschluss aus der Zucht führen sollten.
Neben der Alltagstauglichkeit als Reitpferd, besteht selbstverständlich ein hohes Anforderungsprofil an den
naturgegebenen Springpferdeeigenschaften von Stute und Hengst:
- Weit überdurschnittliches Springvermögen - Unter Beweis gestellt im Freispringen (in jungen Jahren) und im Sporteinsatz: Bei Stuten, Erfolge in Klasse M und höher, Hengste sollten mehrfach in S-Springen gesiegt haben
- Beintechnik, Bascule und Vorsichtigkeit - Von Natur aus vorsichtige Pferde, die über eine gute Bascule und eine hervorragende Beintechnik verfügen sind in der heutigen Zeit - unter starker Konkurrenzsituation im Springsport - gefragter denn je; damit die Nachkommen keine Zufallsprodukte sind, müssen die Elterntiere über diese Eigenschaften verfügen, denn in aller Regel, wird nur Vorhandenes an die Nachkommenschaft weitergegeben
- Ehrgeiz und Mut - Es gibt Pferde die über einen angeborenen Ehrgeiz und Leistungswille und -bereitschaft verfügen, sie sehen die Hindernisse als eine Herausforderung, die sie bewältigen wollen. In Verbindung mit Mut und Selbstbewusstsein, sind dies Charakterwerte, die sowohl für einen Amateurreiter, wie auch für den Profi von eminenter Bedeutung sind.
Pferdezucht ist und bleibt - genetisch betrachtet - eine oftmals unberechenbare Angelegenheit. Jahrelange Erfahrungen zeigen jedoch, dass sich Zuchterfolg über Generationen nur dann einstellt, wenn gesunde Mutterstuten und Deckhengste mit weit überdurschnittlichen (gemessen am Populationsdurchschnitt) Sporteigenschaften in der Zucht verwendet werden, unter konsequentem Ausschluss von Elterntieren, die unerwünschte Charakter- und Reiteigenschaften oder vererbbare gesundheitliche Gebrechen aufweisen.
Wenn die Meßlatte immer niedriger gelegt wird - zur Freude der Kurzbeinigen - darf man sich nicht wundern, wenn wir keine großen Sprünge mehr machen können.
Karl Werner Dickhöfer